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Langhaustour in Sarawak
(Anmerkung der Redaktion: Diese Reise hat Fisch-Woman
im August 1995 gemacht als die Fische einige Zeit in Kuala Lumpur, West-Malaysia
gelebt haben. Sarawak ist ein Bundesland von Malaysia und liegt in Ost-Malaysia
auf der Insel Borneo. Dieser Artikel aus Fisch-Womans Feder erschien
erstmalig 1996 in der Postille der deutschen Community in Kuala Lumpur.)
"Du," sagte meine Freundin "wir machen nächsten
Monat eine Langhaustour nach Sarawak. Wollt Ihr nicht mitkommen? Meine
Freundin
aus Deutschland wollte mich eigentlich besuchen, das klappt aber nicht
und jetzt suchen wir noch jemanden, damit wir wenigstens 4 sind."
Wie immer war der Ehemann beruflich nicht abkömmlich, aber: "fahr
doch alleine". So kam ich zur Reise nach Ostmalaysia. Zu uns 4
deutschen Frauen gesellte sich noch ein spanisches Pärchen, so
daß eine bunt gemischte Gruppe in Kuching landete.
Als erstes stand ein Besuch im Sarawak Cultural Village, einem ansprechend
gemachten Museumsdorf auf dem Programm. Rund um einen See hat man 7
Häuser der wichtigsten ethnischen Gruppen
Sarawaks aufgebaut, die ausführlich beschrieben sind und in denen
die Besucher von einem Vertreter der jeweiligen Gruppe empfangen und
herumgeführt werden. Zum Abschluß gibt es eine farbenprächtige
Tanzvorführung im Theater. Es ist zwar etwas "touristy",aber
man bekommt einen guten Überblick und ist einen Besuch wert.
 Am
nächsten Tag starteten wir dann zum Lemanak-Fluß in das Gebiet
der Iban. Unterwegs zeigte uns der Führer eine Stelle, an der man
Orchideen und Kannenpflanzen bewundern konnte. Wohl ein bekannter Punkt,
wir beobachteten eine Touristin, die leider der Versuchung nicht widerstehen
konnte, sich eine Hand voll Orchideen zu pflücken. Die Freude hielt
wahrscheinlich nur 2 Stunden an, spätestens dann war die Pracht
verwelkt.
Nach 4 Stunden Busfahrt in Richtung indonesische Grenze erreichten
wir eine Anlegestelle, wo schon die schmalen Langboote warteten und
man mit Hilfe eines Außenborders etwa 45 Minuten stromaufwärts
fährt. Da es - wie man uns mehrfach versicherte für August
äußerst ungewöhnlich - die Tage vorher stark
geregnet hatte, führte der Fluß viel Wasser und hatte eine
starke Strömung, was die Bootsmänner aber geschickt meisterten.
Serubah-Longhouse ist wohl das meistbesuchteste am Lemanak. Verschiedene
Reiseagenturen betreiben direkt neben dem Haupthaus Gästehäuser
im Langhausstil. Es können bis zu 150 Touristen übernachten
und essen. Man geht nur zu den Zeiten ins Langhaus, die mit den Bewohnern
vereinbart sind. Verständlich; mich würde es auch stören,
wenn dauernd Fremde versuchten, in meine Tür zu gucken. Bei unserem
ersten Besuch im Langhaus wurden wir mit einer "Miring-Zeremonie"
begrüßt. Der Dorfchef und einige Frauen hatten sich in die
traditionellen Gewänder gekleidet und tanzten zu den Rhythmen verschiedener
Trommeln und Gongs. Anschließend durften wir Tuak (Reiswein) und
Reiskuchen probieren und das Innere des Hauses besichtigen. Ein Langhaus
sind eigentlich viele
Einraumwohnungen unter einem Dach. Jede Familie kann hinter sich die
Tür zumachen, wenn sie will. Allerdings ist sie vom Nachbarn nur
durch eine Bretterwand getrennt. Hat man Lust auf
Gesellschaft, setzt man sich vor seine Tür in den Gemeinschaftsflur
und wartet bis jemand vorbeigeht, der
tratschen möchte.
Der nächste Besuch fand am Abend statt. Wieder eine Tanzzeremonie
mit anschließender Tuakprobe. Tuak ist neuem Wein sehr ähnlich.
Er hat ungefähr dieselbe Farbe und der Geschmack hängt vom
Gärstadium ab. Je alter der Stoff, desto klarer und herber. Obwohl
wir wirklich ausgiebig probierten,
hatte keiner am nächsten Morgen einen Kater.
Bei leichtem Nieselregen starteten wir weiter stromaufwärts in
Richtung Kachong-Langhaus. Unsere Bootsleute wurden durch den Dorfchef
verstärkt, der in Alltagskieidung kaum wiederzuerkennen war. Nach
3 Stunden Bootsfahrt erreichten wir endlich unser Ziel. Kachong ist
das letzte Langhaus vor der
indonesischen Grenze und wird nicht so häufig von Touristen heimgesucht.
Es gab diesmal keine Begrüßungszeremonie für uns,
aber dafür ein lautes Hallo, als der Dorfchef entdeckt wurde. Sofort
setzten sich die Männer in eine Runde und tratschten über
alles Neue. Da der Regen aufgehört hatte, führte uns der erste
Weg zum Fluß, der großen gemeinsamen Badewanne. Das Wasser
war klar, aber eiskalt. Die Kinder folgten uns zum Flußufer und
beobachteten neugierig die Waschzeremonie der Fremden, trauten sich
aber nicht zu uns ins Wasser. Auch die Frauen warteten, bis wir fertig
waren.
Die für den nächsten Tag geplante Dschungelwanderung fiel
ins Wasser. Es hatte die ganze Nacht geregnet und hörte bis zum
Nachmittag nicht auf. Uns störte das aber dennoch nicht. So hatten
wir Zeit und Muse, uns trotz unzureichender Sprachkenntnisse
zu verständigen. Wir spielten ausgiebig mit den
Kindern, gingen mit der Kamera auf Entdeckungstour und zwischendurch
wurde man immer mal auf einen Tee und ein paar scheue Fragen in rudimentärem
Englisch oder Malay eingeladen. Besonders Alfredo, der Mann mit den
5 Frauen, wurde immer bewundert und mußte jedesmal von Neuem zugeben,
daß er nur mit einer von uns verheiratet war.
Am Abend saßen die Männer zunächst in einer Runde und
folgten aufmerksam der Reportage des Fußballspiels Sarawak gegen
Brunei. Nachdem alle Tore geschossen und das Radio frei war, holte eine
der Frauen eine verknotete Schnur mit einem Fingerring und wir setzten
uns in die Runde zum Ringspiel.
Einer sitzt in der Mitte, der Ring kreist verdeckt durch alle Hände
und wenn die Musik aufhört, muß das Opfer raten, wer den
Ring gerade hat. Dabei wurde fleißig Tuak getrunken und je später
der Abend, desto mehr haben wir gelacht.
Der Abschied am nächsten Morgen fiel uns schwer, wir waren gerne
noch langer geblieben. Ein Abschiedsfoto und das Versprechen, Abzüge
zu schicken und wir bestiegen wieder
unsere Boote. Der Dauerregen hatte seine Spuren hinterlassen: ein Baumriese
hatte sich querüber den Fluß gelegt.
Glücklicherweise war er schon entdeckt worden und eine Motorsäge
und zwei Äxte waren zu Gange, um den Fluß wieder schiffbar
zu machen. Zurück im Gästehaus sahen wir die Spuren des nächtlichen
Hochwassers. Der Lemanak-Fluß hatte kurz vor den Matratzen Halt
gemacht. Ein Glück, daß wir nicht hier gewesen waren. Erstaunt
hat uns allerdings die Tatsache, daß das Hochwasser innerhalb
von 24 Stunden abgeflaut war. Wie lange braucht der Rhein, wenn er mal
die Kölner 10-Metergrenze überschritten hat?!
Ein letzter Besuch im Langhaus, wir wollten einen Schlaftrunk kaufen.
Außer uns sechsen, die wir ja unsere Show schon gehabt hatten,
waren keine weiteren Touristen da. Der Generator lief, im Gemeinschaftsflur
hielten sich nur ein paar alte Männer und Frauen auf. Hinter den
Türen konnte man Radiomusik oder die Stimme des TV-Nachrichtensprechers
hören. Wir zogen uns auf unsere Terrasse zurück und genossen
den lauen Abend. Die Bewohner von Serubah waren um den Abend ohne Touristen
bestimmt froh.
Man muß sich von der Vorstellung freimachen, ein Langhausbesuch
führe zurück in die Steinzeit und man begegnete Wilden im
Lendenschurz. Mittlerweile hat das 20. Jahrhundert auch im Dschungel
Einzug gehalten. Das Köpfejagen und Blasrohre sind verboten, die
Iban kultivieren den Dschungel und werden von der Regierung vor allem
bei der Anlage von Gummibaumpflanzungen unterstützt, die bevorzugte
Kleidung sind Shorts/Sarong und T-shirt. Die Kinder gehen in Internatsschulen
und kommen 2x im Monat übers Wochenende nach Hause. Jedes Langhaus
hat seinen Generator und die Dorfgemeinschaft wünscht sich nichts
sehnlicher als Stromanschluß.
Dennoch, eine gewisse Idylle herrscht schon im Dschungel von Borneo.
Die Köpfe, die schon seit Jahren in der Familie sind, hängen
verstaubt vor dem Türeingang und bei Problemen wird auch mal der
Medizinmann konsultiert. Es geht alles etwas langsamer und weniger hektisch
zu als in Kuala Lumpur. Und wahrscheinlich haben wir gerade deshalb
unseren Regenwaldtrip sehr genossen.
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